Freie Vereinigung von Amateur-Photographen zu Hamburg,
gegründet 1898

Mitglied im Deutschen Verband  für Fotografie - DVF

Die Entstehung der Freien Vereinigung von Amateur-Photographen zu Hamburg, gegründet 1898

In Hamburg wurde 1891 der Amateur-Photographen-Verein gegründet. Aus diesem ging am 22.5.1895 die Gesellschaft zur Förderung der Amateur-Photographie hervor. Daraus spaltete sich am 8.1.1898 die Freie Vereinigung von Amateur-Photographen ab.

Anläßlich des 70jährigen Bestehens der Freien Vereinigung beschrieb der damalige Vorsitzende Werner Hensel 1968 die Geschichte der Spaltung :

Der Dank für die Geburt unserer Vereinigung steht einigen edlen Damen aus bestem Hause zu. Sie waren die Ursache, dass sich die 1895 gegründete Gesellschaft zur Förderung der Amateur-Photographie, die räumlich und finanziell auf Rosen gebettet war, spaltete.

An der Stätte klassischen Hanseatentums, im Dachgeschoss des Patriotischen Gebäudes an der Trostbrücke, tagte die erwähnte Gesellschaft von Liebhaberphotographen. Dieser Verein bestand aus namhaften Damen und Herren unserer Stadt Hamburg und des Auslandes. Sein Zweck: Man wollte die “schönen” Künste  der noch sehr jungen Photographie fördern. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten waren Förderer, Idealisten und Gönner. Unter ihnen auch zweihundert Damen. Zu den Repräsentanten der Förderung zählten u. a. als Ehrenpräsident der Bürgermeister Dr. Burchard aus Hamburg, als 1. Vorsitzender der Direktor der Kunsthallen Ernst Juhl und als 2. Vorsitzender der Arzt Dr. E. Arning. Es gab aber auch zahlreiche Ehrenmitglieder, die nicht unerwähnt bleiben sollen: Prof. Dr. Alfred Lichtwark, der erste Direktor der Hamburger Kunsthalle, ferner Alfred Stieglitz, Dr. G. Sieveking, u.v.m.

Es wurde hervorragend fotografiert, erfolgreich verkauft, gefeiert usw. Es ging mitunter sehr lebhaft an der Trostbrücke zu. Meistens waren die Damen in der Überzahl und wurden mit Handküsschen begrüßt. “Mann” erschien im Frack und die Dienerschaft wartete geduldig bis endlich der photographische Plauder-Arbeitsabend sein Ende gefunden hatte. Dieses alles stand unter dem Motto hoher künstlerischer Amateurphotographie.

Die Beiträge waren hoch und manche Damen wohl auch etwas hochnäsig. Kurz, eines Tages platzte dem Kaufmann Seifarth der Kragen. Er hielt eine Brandrede, missbilligte die Anwesenheit der Frauen ohne Kamera in einem Männerverein und bezeichnete sie als die Spalter der Förderung. Die “Feinen” blieben, die “Könner” verließen die Förderung.

Am 8. Januar 1898 war die Geburtsstunde der Freien Vereinigung von Amateur-Photographen zu Hamburg. Und es bleibt festzustellen, dass dieser Club noch heute lebt und im Jahre 2018 120 Jahre alt ist.

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Copyright Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Dem Kaufmann Seifarth stand Heinrich von Seggern als hervorragender Landschaftsfotograf zur Seite.
Leider gingen  Aufzeichnungen der Anfangszeit bei Kriegsende 1945 verloren. Nachforschungen werden betrieben.

Erwähnt werden muss ein Fotograf, der der erfolgreichste Amateurphotograph ganz Deutschlands war. Edmund Frings -1910 geboren - gehörte über 50 Jahre zur Freien Vereinigung und feierte globale Triumphe. Edmund Frings war ein “Weltbegriff“ und liebenswerter Mensch.

Bedenkt man, was in der Turbulenz dieser über 100 Jahre alten Vereinigung alles in Trümmern versunken ist, erscheint es immerhin bemerkenswert, dass die Liebe zum Bild es immer wieder geschafft hat, eine  Gemeinschaft über diese lange Zeit zusammenzuhalten.  So können wir heute  als ”ältester Fotoclub Norddeutschlands“ voller Stolz feststellen, dass unsere Mitglieder die Liebe zur Fotografie nicht verloren haben. Viele Mitglieder unserer Vereinigung haben für ihre herausragenden Leistungen Urkunden und Medaillen erhalten. Der Club selbst wurde im Jahre 1998 anlässlich seines 90jährigen Bestehens mit der Treuemedaille des DVF in Gold geehrt.